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Die Geschichte einer Liebe - ich will sie hier aufschreiben, obwohl es keine Worte gibt, die deutlich machen können, was uns dieser Hund bedeutet. Kira! Eindeutig der allerbeste Hund der Welt!

Ja, ja, ich weiß was Ihr denkt: "Das glaubt ja jeder von seinem Hund, dass er der beste wäre und einmalig und unglaublich..." Aber für uns ist es einfach die Wahrheit: Unsere Kira war der beste Hund der Welt! Unglaublich lieb, enorm klug, einfühlsam und einfach wunderschön!

Wir kamen zu ihr wie die Jungfrau zum Kind, völlig unbedarft sind wir im März 1998 im Tierheim Salzwedel aufgeschlagen mit ganz simpel dem Anliegen "Wir denken wir wollen einen Hund." Eigentlich hatte diesen Wunsch gar nicht, sondern mein Mann. Aber ich wollte ihm den Umzug aufs Dorf versüßen. Wenn ich ganz ehrlich war, hatte ich sogar Angst vor Hunden. Dies alles haben wir den Tierheim-Mitarbeitern geschildert und sie brachten uns zu ihr. Da hieß sie noch Kiara, war 10 Monate alt und schon das zweite Mal im Tierheim. Sie war allein in einem Zwinger und kam auf dem Bauch liegend in meine Richtung gerutscht. Man sah deutlich, dass sie voller Angst war, aber das Risiko einging zu uns zu kommen, auf der Suche nach ein paar Streicheleinheiten. Vorsichtig hab ich sie das erste Mal gestreichelt, sie schmiss sich auf den Rücken und hielt mir ihren Bauch entgegen, wir sahen uns in die Augen und "bumm" war es geschehen! Liebe auf den ersten Blick! Unwiderruflich! Für immer! Ich schaute meinen Mann an und verkündete: "Die oder keine!"

Wir verbrachten Zeit mit ihr in einem Auslaufgehege, sie tobte fröhlich rum und es brach uns das Herz als wir gehen mussten. Aber es war noch einiges vorzubereiten. Sie sollte bei uns auf dem Hof leben und wir richteten ihr im Stall einen schönen Platz ein mit kuscheligem Schlafplatz, Hundeklappe, Fressplatz und Spielzeug. Wir haben sie besucht, gingen mit ihr spazieren und sie benahm sich unglaublich vorbildlich für ihre 10 Monate. Ich hatte schon total vergessen, dass ich eigentlich Angst hatte.

Es kam der Tag an dem wir sie abholten. Noch eine Runde auf der Rue de la cac und ab ins Auto. Auf dem Tierheimgelände war sie schüchtern und ging brav an der Leine. Aber sowie das Tor hinter uns zufiel und sie realisierte, dass wir sie mitnehmen drehte sie voll auf und sprang wie ein Gummiball an der Leine durch die Gegend, zerrte wie verrückt und raste kreuz und quer umher. Dieser verrückte Hund hat sofort gewusst, dass sie nun mit uns kommen wird und wir sie adoptiert haben!

Mir rutschte das Herz in die Hose. Mit diesem tasmanischen Teufel soll ich gleich ins Auto? Auf der Rückbank sitzen und 30 km dafür sorgen, dass sie ruhig bleibt? Wo doch niemand wusste, ob sie überhaupt Autofahren kennt?AAAAAAAAAAAAAAA!!!!!! Aber sie war sofort ganz ruhig und brav im Auto und schaute interessiert aus dem Fenster.

Zu Hause angekommen hat sie sich problemlos eingelebt, war gehorsam sogar beim frei laufen und sehr begierig Neues zu lernen. Aus Kiara wurde ganz schnell Kira, da kürzer und prägnanter und ganz fließend hat sie sich in unser Leben und unsere Herzen geschlichen und wurde ratzfatz zum Familienmitglied. Rückblickend betrachtet hat sie es uns unglaublich leicht gemacht den Umgang mit dem Hund zu lernen. Wenn man ganz ehrlich ist, haben nicht wir ihr etwas beigebracht sondern sie ausschließlich uns.


Natürlich gab es auch nicht so schöne Situationen. Aber sogar diese waren letztendlich zu etwas gut. So hat zwar eine Begegnung von Kira und einem Schaf das Schaf dieses Treffen mit seinem Leben bezahlt, aber Schuld war der Mensch, der das Hoftor offen ließ. Sie hat uns damit nur gezeigt, dass doch ein Raubtier in ihr steckt. Und so Leid mir das Schaf tat, war dieser Zwischenfall das Beste was uns passieren konnte, denn von da ab wohnte der Hund im Haus. Besser gesagt auf dem Sofa. Und wir lernten, dass es ungleich bereichernder ist, wenn der Hund ganz und gar am Leben teilnimmt. Ab sofort fuhr sie mit in jeden Urlaub, wir richteten uns nach den Pipi-Zeiten bei Ausflügen und Besuchen.

Und wie das so ihre Art war, fühlte Kira sich überall wohl und die erste Begegnung mit der Ostsee war prägend und von da an mehrmals jährlich Pflichtprogramm. In den Wellenschaum beißen, tote Fische anschleppen, Schwäne verbellen und planschen, toben, schwimmen war ihre Leidenschaft. Sie badete in jeder Pfütze, stürzte sich in jeden Bach, paddelte sofort im Kanal herum..., aber hasste das Badezimmer und die Dusche nach dem beliebten Wälzen in jeder Art von Stinkestank.


Dieser Hund war die perfekte Mischung aus menschenbezogen und doch eigenständigem Geist. Sie maß die Menschen und Tiere nach eigenen Maßstäben, wobei Kinder grundsätzlich absolute Narrenfreiheit hatten. Unvergessen ist uns die Begegnung mit dem Vater, der seinen Sohn spielerisch zu fangen versuchte, was den Kleinen dazu bewog laut zu kreischen. Sofort stellte unser Hund seine Nackenbürste hoch und stürmte bellend los, den Jungen vor seinem Vater zu beschützen. Der Vater war einigermaßen irritiert... Wir haben es ihm dann aber erklärt.

Spielkameraden der eigenen Spezies suchte sie sich aus wie es ihr gefiel. Ein Muster war da nicht zu erkennen. Katzen wurden geduldet, ...wenn sie nicht rannten. Bis auf Tigger, unseren Ausnahmekater, klein aber eine Führungspersönlichkeit. Er brachte sogar einige Hunde dazu die Straßenseite zu wechseln. Ihn hat sie geliebt vom ersten Tag an. Er schlief zwischen ihren Pfoten und sie teilte mit ihm alles. Leider starb Tigger viel zu früh an einem Zeckenbiss.


Kira hatte ein unglaubliches Gespür für unsere Stimmungen. Manchmal, wenn sie zu mir kam, sich an mich kuschelte und geduldig so lange meinen Arm anstubste bis ich sie kraulte, hatte ich selbst noch gar nicht bemerkt, dass es mir nicht so gut ging und ich ihren Trost gut gebrauchen konnte. Sie hat so manchen Kummer gemildert und an schlimmen Tagen dafür gesorgt, dass man sich aufraffen musste aufzustehen und raus zu gehen. Manchmal sah sie einen an und man ahnte eine enorme Weisheit in ihr und sah man einiges wieder in den richtigen Relationen.

Natürlich hat sie uns auch Sorgen bereitet. Sie hatte mehrere Beißereien, die einen Tierarztbesuch erforderten, sie hat das eine oder andere Reh verfolgt und brauchte dann schon mal eine ganze Zeit, bis sie zurück kam und hat uns auch Nerven geraubt, wenn sie andere Hunde anbrüllen musste, weil diese sie falsch anschauten. Es gab auch einige Operationen, die sie erleiden musste - und wir auch, denn sie ertrug keinen Kragen machte sich aber ohne an den Wunden zu schaffen. So hielten wir tage- und nächtelang Wache, passten auf, dass sie trank und legten sie hin, wenn sie sich mit dem Kragen nicht bewegen wollte. Und waren am Ende wohl kränker als sie selbst.

Mit den Jahren wurde sie ruhiger, die Spaziergänge sollten nach ihrem Geschmack kürzer werden und bei Regen komplett ausfallen. Ihr Jungbrunnen blieb die Ostsee, dort rannte sie stundenlang durch die Wellen - und kam abends nicht vom Sofa hoch. Wir hatten gar nicht bemerkt, wie die Zeit verging. Sie ist mehrmals mit uns umgezogen und hat sich überall schnell eingelebt und hat die Nachbarn immer sofort für sich eingenommen. Beim letzten Umzug waren die Vermieter skeptisch wegen der Hundehaltung. Wir haben Kira mit ihrem Halstuch herausgeputzt und vorgestellt und im nu waren die Zweifel beseitigt. Nach kurzer Zeit hat sie die gesamte Familie zum Rudel gezählt, Haus und Grundstück bewacht und wurde von der Vermieterin mit den Lieblingsleckerlis versorgt. Sie hat sich in ihrem letzten Zuhause sehr wohl gefühlt.

Im März 2008 waren wir einmal mehr auf Fehmarn und hatten unseren Spaß bei Wind und Wellen und langen Spaziergängen. Anfang April hatte Kira dann plötzlich Bauchschmerzen und wollte nicht fressen, was es bis dahin nie gegeben hatte. Wir haben 2 Ärzte befragt, es wurde Ultraschall und eine Laboruntersuchung gemacht, wir haben ihr Schonkost mit viel Liebe gekocht und doch geschah das Schlimmste.

Am 17.04. war sie vormittags mit mir allein und besonders anschmiegsam. Sie suchte meine Nähe, kuschelte besonders intensiv und fraß mit Appetit von meinem für sie gekochtem. Ich hoffte, dass es ihr besser geht. Mein Mann hat nachmittags ähnliche Erfahrungen mit ihr gemacht, auch zu ihm war sie besonders aufmerksam. Abends kam dann der Befund vom Arzt: ein Tumor an der Milz war die Ursache ihrer Beschwerden und Schmerzen.

Als ich um 22 Uhr von der Arbeit kam, freute sie sich sehr und wedelte, dass ihr Zelt wackelte. Wir hatten viel Hoffnung für die OP am nächsten Tag. Mein Mann hatte bereits alles organisiert und berichtete mir sofort. Dann wollte Kira etwas trinken und brach auf dem Weg zum Napf zusammen und konnte nicht mehr aufstehen. Wir brachten sie sofort in die Klinik. Ich werde nie ihren Blick vergessen, als wir sie auf ihrer Decke aus der Wohnung trugen. Sie schaute uns ganz vertrauensvoll an. In der Klinik war ihr Kreislauf fast nicht mehr spürbar. Der Tumor war aufgebrochen und blutete. Wir trafen die schwerste Entscheidung unseres Lebens und ließen sie gehen. Sie schlief ganz ruhig in unseren Armen ein.

Seit dem ist die Welt ein bisschen kälter und die Sonne etwas dunkler. Meine beste Freundin, unsere Vertraute, ein Familienmitglied ist nicht mehr da. Wir haben Menschen kommen und gehen sehen und wurden von einigen wirklich enttäuscht. Von Dir, liebe Kira, nicht! Du warst für uns da, hast uns getröstet und auf Deine Art unterstützt und hast uns selbstlos mit Deiner Liebe überschüttet. Mir fällt nicht ein wie ich ausdrücken soll, was Du uns bedeutet hast. Danke 1000-fach!

Kira hat ihren 11.Geburtstag leider nicht mehr erlebt. Gefeiert haben wir ihn trotzdem mit einer Abschiedsfeier. Wir haben an diesem Tag für unseren Schatz eine Schatztruhe gepackt mit ihrer Urne zusammen mit ihrem Halstuch, Spielzeug, einem Ostsee-Stein und ihrem Halsband sowie ein paar Fotos. Die Truhe steht nun im Wohnzimmer. So haben wir Kira bei uns. Vergessen werden wir sie nie!